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belegt es deutlich. Was mir gut tat  „Mir wurde noch einmal deutlich    uneingeschränkt zu? Nein, sie ist ein
        und tut und mich erfüllt, das wird  vor Augen geführt, dass meine Stär-  Geschenk, das ich tagtäglich emp-
        auch meine Mitmenschen freuen.  ke so eng mit meiner Schwäche zu-       fangen und auch weitergeben kann.
        Wenn es ihnen irgendwann zu viel  sammen hängt – oder umgekehrt.        Aber ich bin nicht Besitzer. Ich
        des Guten wird, dann dürfen sie es  Ich stelle mich selbst ohne große   muss nicht mit ihr haushalten, muss
        auch ehrlich sagen.“                Schwierigkeiten zurück, helfe ger-  nicht darüber nachdenken, ob ich
                                            ne, nehme Nöte wahr und versu-      sie „verschwendet“ habe und muss
        Andreas Klein, 54 Jahre alt.        che, Lösungen zu finden. Ich helfe   gleichzeitig nicht geizig mit ihr sein.
        Ich lebe seit dreieinhalb Jahren in  gerne, ich springe oft schneller als   Ich darf sie erbitten und empfangen.
        Chur im Kanton Graubünden.  ich denken kann in die Lücke. Und           Das macht Gottes Liebe in meinen
        Glücklich in der Partnerschaft  im gleichen Augenblick fällt es mir     Augen noch kostbarer und gibt
        und im sozialen Beruf, darf mich  schwer, Grenzen zu setzen. Eine Lü-   mir gedanklich die Freiheit, ebenso
        von  Gott  und  Menschen  geliebt  cke auch mal unausgefüllt zu lassen.   großzügig weiterzugeben. Und mit
        wissen.                             Eine Not nicht an mich heranzulas-  dieser Liebe darf ich Lücken füllen
                                            sen. Immer mit der Frage im Kopf:   und Nöten begegnen. Und in dieser
                                            Hätte ich nicht doch die nötigen    Liebe darf ich auch Grenzen setzen
                                            Ressourcen? Ist es nicht selbstsüch-  und Abstand nehmen.“
                                            tig, eine Grenze zu ziehen?
                                            Eine Erkenntnis, die mich nachhal-  Anna-Geraldine Link, seit 28 Jah-
                                            tig bewegt, ist die Aussage, dass ich   ren darf ich leben und tue dies fast
                                            Gottes Liebe empfangen, aber nicht   genauso lange mit Jesus. Ich be-
                                            besitzen kann. Im ersten Moment     gegne und beobachte gerne Men-
                                            hat mich dieser Gedanke empört.     schen, bin verheiratet und Mutter
                                            Schließlich bin ich doch ein Kind   eines kleinen Sohnes – das alles
                                            Gottes, steht mir seine Liebe nicht   mitten im Ruhrgebiet.




















































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                     gehaltvoll: Du brauchst dich nicht zu schämen
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